Knorpelschaden

Die Orthopädie bietet beim Thema Knorpelschaden leider immer noch keine perfekten Lösungsmöglichkeiten an.

Das Orthopaedicum Frankfurt behandelt ist immer "am Puls der Zeit" und nimmt an allen "nationalen und internationalen Arthrosekongressen" teil.

Lassen Sie sich von den Knorpelexperten des Orthopaedicum Frankfurts beraten.

Terminvereinbarung Sprechstunde

Orthopädie in Frankfurt Das Orthopaedicum Frankfurt befasst sich als Schwerpunktzentrum mit fast allen Erkrankungen der Orthopädie.

Die gegebenen Informationen helfen der Erschließung einer Diagnose, können aber eine persönliche Untersuchung und Beratung nie ersetzen.
Wir beraten Sie gerne in unseren Spezialsprechstunden!

Terminvereinbarung: Am einfachsten über unser Online-Forumlar, oder die Online-Terminvereinbarung.

Synonyme im weiteren Sinne

  • Kniearthrose
  • Hüftarthrose
  • Arthrose

Definition

Unter einem Knorpelschaden versteht man meist irreversible und oft durch mechanische Einflüsse hervorgerufene Beschädigungen der die Gelenke auskleidenden Knorpelschichten.

Das beste Ergebnis

Alle gegeben Informationen können nur allgemeine Informationen geben.
Nur die Zusammenschau alle Informationen und Untersuchungsergebnisse durch den Knorpelspezialisten können die Prognose positiv beeinflussen.
Daher gibt es keine beste Therapie, sondern die Therapie muss immer auf den Einzelfall individuell abgestimmt werden.

Was ist Knorpel?

Knorpel besteht aus Knorpelzellen, die auch als Chondrozyten bezeichnet werden. Diese bilden wiederum Kollagenfasern, die miteinander vernetzt sind. Zwischen den Vernetzungen kann Wasser eingelagert werden, das die für Knorpel typische puffernde und elastische Wirkung erzielt. Der Knorpel besteht des Weiteren aus Eiweißen und Kohlenhydraten. Der Knorpel besitzt keine eigenen Blutgefäße. Die Versorgung des Knorpels erfolgt von außen durch Diffusion.

Ursachen / Formen

Bei den Ursachen Knorpelschäden unterscheidet man akuten von chronischen Ursachen von Knorpelschäden.

Die chronischen Ursachen überwiegen durch das zunehmende Alter der Menschen, aber auch die Unfallhäufigkeit der Sportarten nimmt zu, wodurch auch die jüngere Knorpelschaden an Bedeutung gewinnt.

Akute Ursachen von Knorpelschäden sind meistens Folge von Unfällen bei denen auftretenden Druck- und Scherkräften kurzfristig auf den Knorpel einwirken, die über dessen Belastungsgrenze liegen. Hierbei kommt es in der Regel zu lokalisierten Knorpelschäden. Betroffen sind meistens jüngere Patienten im Rahmen von Sport- und Unfallverletzungen.

Eine weitere Ursache für Knorpelschäden beim jüngeren Patienten ist das Krankheitsbild der Osteochondrosis dissecans. Hiebei kommt es zu lokalisiertem Absterben von gelenknahem Knochen mit Schädigung des darüber liegendem Gelenkknorpels. 

Prinzipiell kann jedes Gelenk von einem Knorpelschaden betroffen werden. Meistens sind es die Gelenke, die besonders stark durch physiologische Bewegungen beansprucht werden. Dazu gehört vor allem das Kniegelenk. Nach Trauma und Unfällen kann aber auch das Schultergelenk, Ellenbogengelenk oder das Hüftgelenk des Körpers betroffen sein. 

Chronische Ursachen
Beim chronischen Knorpelschaden kommt es durch Überlastung zu einem langsamen Verschleiss des Knorpels und dadurch zur Knorpelschädigung. Man bezeichnet dieses Krankheitsgeschehen auch als Arthrose. Häufige Ursache für chronische Knorpelschädigungen sind Gelenkfehlstellungen wie sie z.B. beim X- Bein oder O-Bein vorkommen. Hiebei kommt es zu einer ungleichmäßigen Lastverteilung mit Überanspruchung des Knorpels im Gelenk. Ebenso Ursache für chronische Knorpelschäden sind so genannte Gelenkinkongruenzen bei denen die Form der beiden Gelenkpartner nicht optimal zueinander passt.  Ein typisches Beispiel hierfür stellt die Hüftdysplasie dar, bei der die Form der Hüftgelenkspfanne nur unzureichend ist. Ein anderer häufiger Grund ist eine Stufenbildung der Gelenkfläche, wie sie nach Knochenbrüchen vorkommen können, bei denen der Bruch in das Gelenk einstrahlt.  

Während gleichmäßige Abnutzungserscheinungen des Gelenkknorpels normal sind und im fortgeschrittenen Alter meist jeden Menschen betreffen, verursachen Fehlhaltungen, die über einen langen Zeitraum durchgeführt wurden, einseitige Knorpelabnutzungen. An jenen Stellen, an denen der Knorpel dünner ist, kann er leichter einreißen und den darunter befindlichen Knochen freilegen. Ist dies der Fall, sitzt, ähnlich wie bei akuten Knorpelschäden, nach Einriss der obere Knochen auf dem unteren und reibt dagegen. Es kommt zu teils starken Schmerzen.

Auch von chronischen Knorpelschäden kann prinzipiell jedes Gelenk betroffen sein. Häufig sind aber die Gelenke betroffen, die besonders häufig für alltägliche Bewegungen eingesetzt werden. Zu nennen wären hier das Knie- und Hüftgelenk, aber auch das obere Sprunggelenk.

Einteilung des Knorpelschadens

Kein Knorpelschaden - glatter Oberflächenknorpel
viertgradiger Knorpelschaden - der Knochen liegt frei (gelbere Anteile)

Es existiert des Weiteren eine Einteilung, die sich auf die Art des Knorpeleinrisses bezieht.

Die sogenannte Outerbridge Klassifikation hat sich heutzutage durchgesetzt:

  • Grad 1 bezeichnet man Knorpeldegenerationen, bei denen die Oberfläche noch erhalten ist und evtl. oberflächliche Aufweichungen und kleine Einrisse knapp unterhalb der obersten Schicht zu sehen sind.
  • Grad 2 gibt es bereits Knorpelläsionen, die weniger als 50% der eigentlichen Knochendicke betreffen.
  • Grad 3 Sind mehr als 50% betroffen oder reichen die Defekte bereits bis an die Knochenschicht, spricht man einem Stadium dritten Grades.
  • Grad 4 Wenn die Knorpelplatten dann so aufgebraucht sind, dass Knochen auf Knochen liegt (sogenannte „Knorpelglatze“) 

Bei den chronischen Knorpelschäden kommt es in den meisten Fällen nicht zu einem Einreißen sondern eher zu einer Reduktion des Knorpels durch ständige Reibung. Prinzipiell kann man aber auch hier einen kompletten von einem inkompletten Knorpelschaden unterscheiden.

  • Inkompletter Knorpelschaden wird der Knorpel zwar langsam dünner, per Definition ist er also beschädigt, aber die darunterliegenden Knochenstrukturen liegen noch nicht frei, sodass es in der Regel noch zu keinen Beschwerden kommt.
  • Kompletter Knochenschaden: es kommt zu einer „Knochen auf Knochen Situation“, die dann teilweise sehr starke Schmerzen auslösen kann.

Der Prozess der degenerativen Knorpelschädigung ist schleichend aber in der Regel genauso irreversibel wie die akute Schädigung. Ist Knorpel einmal zerstört, kann kein neuer Knorpel mehr gebildet werden.
Knorpel ist also nicht oder nur sehr bedingt regenerationsfähig. Es ist daher besonders viel Wert auf die Prävention zu legen, um Knorpelschädigungen zu verhindern bzw. um knorpeldegenerative Prozesse so weit wie möglich hinauszuzögern.

In einigen seltenen Fällen können auch Knorpel durch Infektionen geschädigt werden. Besonders nach operativen Eingriffen, durch die Erreger in den Gelenkspalt eingedrungen sind, kann es vorkommen, dass sich das entsprechende Gelenk entzündet und der Gelenkknorpel Stück für Stück in Mitleidenschaft gezogen wird.
Infektbedingte Degenerationen und Knorpelschädigungen sind relativ seltene aber sehr schwer behandelbare Erkrankungen, die relativ schnell voranschreiten und zu einer raschen Immobilität führen können.

Diagnose

Krankenbefragung (Anamnese)

Um die Diagnose eines Knorpelschadens stellen zu können, muss der Patient zunächst einmal untersucht und vor allem die Krankenbefragung durchgeführt werden. Dazu gehört zu eruieren, seit wann die Beschwerden vorhanden sind, bei welchen Bewegungen sie auftreten oder ob sie in  Ruhe vorhanden sind.
Des Weiteren sollte erfragt werden, ob die Schmerzen immer die gleiche Intensität haben, oder ob es Abstufungen gibt. Auch sollte gefragt werden, ob es  in letzter Zeit Verletzungen im Bereich des betroffenen Knies gab oder ob  eine seit längerer Zeit bestehende Fehlbelastung bekannt ist.

Körperliche Untersuchung

An die Krankenbefragung schließt sich die körperliche Untersuchung des Patienten an, bei dem die Gelenke, die als schmerzend beschrieben werden, besonders genau beachtet werden. Der Untersucher achtet auf Fehlstellungen und untersucht die Gelenke auf Schwellungen, Rötungen und Bewegungseinschränkungen. Beim Durchbewegen des Kniegelenkes z.B. wird zunächst das Bein des Patienten passiv durchbewegt und gesehen, ob Schmerzen angegeben werden.

Bildgebende Diagnostik

1. Röntgenaufnahme

Als bildgebende Diagnostik besteht die Möglichkeit eine Röntgenaufnahme des betroffenen Gelenkes durchzuführen. Dabei ist wichtig, dass die Aufnahme in zwei Ebenen durchgeführt werden muss (meistens von vorne und von der Seite). Degenerative Veränderungen des Gelenkes können meistens schon in eben dieser Röntgenübersichtsaufnahme gezeigt werden.

Knorpel, der den Gelenkspalt auskleidet und durch Abnutzung schmäler wird, ist im Röntgenbild aus dem Grund sichtbar, da sich die benachbarten Gelenkflächen annähern und der Gelenkspalt schmaler wird. Vom Körper gestartete Reparationsvorgänge in Form von Knochenneubildungen sind bei vorangeschrittenen degenerativen Veränderungen ebenfalls sichtbar. Man kann auch durch sogenannte Achsenaufnahmen herausfinden, in wie weit Ober- und Unterschenkel im Kniegelenk voneinander abweichen.

  • Beim sogenannten O-Bein (Genu varum) handelt es sich um eine Achsenverbiegung nach außen. Dabei wird der Knorpel der Innenseite stark beansprucht und degeneriert.
  • Beim sogenannten X-Bein (Genu valgus) verläuft die Achse nach innen gebogen und die äußere Knorpelfläche ist überbeansprucht
4. gradiger Knorpelschaden Innenseite (rechts) - mediale Gonarthrose

2. MRT (Magnetresonanztherapie)

Knorpeldarstellung
Während die Röntgenaufnahme vor allem die knöcherne Struktur des Gelenks darstellt und eventuelle Gelenkspaltverschmälerung eine Knorpeldegeneration vermuten lassen, kann eine Magnetresonanztomographie die Knorpel sichtbar machen. Dabei können neben den degenerativen Veränderungen des Knorpels vor allem auch Einrisse oder komplette Durchrisse von Knorpelplatten z.B. nach Unfällen gesehen werden.

Neben der Primärdiagnostik von Knorpelschäden werden MRT Untersuchungen des betroffenen Gelenkes auch immer dann durchgeführt, wenn es um die Planung von Operationen bei Knorpelverletzungen geht. Dabei soll die genaue Verletzung, die Schwere und der notwendige Eingriff erläutert werden.

3. Arthroskopie

Neben den bildgebenden Verfahren kann eine Spiegelung des entsprechenden Gelenkes Aufschluss über die Art und das Ausmaß des Knorpelschadens geben. Bei der Gelenkspiegelung handelt es sich um einen operativen Eingriff, bei dem unter sterilen Bedingungen und entsprechender Narkose durch zwei kleine Hautschnitte über dem Gelenk Instrumente und eine Kamera eingebracht werden, die Echtbilder auf einen Monitor überträgt.
Man kann die Größe und den Schweregrad des Knorpelschadens sehr gut erkennen. In der Gelenkspiegelung  können auch direkt schon therapeutische Eingriffe durchgeführt werden, die in Glättungen, Spülungen oder Entfernen von Knorpelresten bestehen können. 

4. Sonographie (Ultraschall)

Die Ultraschalluntersuchung der Gelenke kann ebenfalls zeitweise angewandt werden. Die Beurteilung des  Knorpels ist darin aber schwierig. Sichtbar können aber Befunde gemacht werden, die eine Degeneration von Knorpel meistens begleiten.
Zu nennen wäre hier vor allem der Gelenkerguss, der neben der entzündlichen Komponente auch auf einen degenerativen Gelenksprozess mit gleichzeitiger Knorpeldegeneration hindeuten kann.

Therapie eines Knorpelschadens

Bei den Therapieoptionen unterscheidet man vor allem einen konservativen von einem operativen Weg.

Konservative Therapie

Konservativ wird immer dann behandelt, wenn der Knorpelschaden noch nicht weit vorangeschritten ist und am Beginn steht. Auch wenn Patienten zu einer Risikogruppe gehören oder Begleiterkrankungen haben, die einen operativen Eingriff nicht zulassen wird ein konservatives Vorgehen gewählt.

  • Medikamentös
    Dazu zählt in erster Linie die medikamentöse Schmerztherapie. Diese besteht meistens aus Medikamenten der Gruppe nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Voltaren). Neben der Schmerzmedikation können noch Medikamente gegeben werden, die vor allem die im Gelenk ablaufenden Entzündungsreaktionen minimieren können.
    Dazu zählen vor allem Kortisonpräparate, die aber nur kurzfristig eingenommen werden sollten.
  • Physikalische Therapie
    Des Weiteren können physikalische Maßnahmen zur Schmerztherapie angewandt werden. So kommen ggf. Kälte- und Wärmeanwendungen zum Einsatz.
  • Physiotherapie
    Diese sollten regelmäßig durchgeführt werden und sollen verhindern, dass das Gelenk, in dem es zu einem Knorpelschaden gekommen ist, vom Patienten aufgrund der Schmerzen in einer Schonhaltung gehalten und nur noch eingeschränkt bewegt wird. Auch sollen Muskelgruppen, die sich bei der Einhaltung der Schonhaltungen verkürzen durch die Physiotherapie wieder gedehnt und leistungsfähiger gemacht werden.
  • Akupunktur
    Eine weitere Therapieoption des konservativen Weges sind Akupunkturverfahren, die eine Schmerzlinderung erreichen können.
    Die Akupunktur wird inzwischen auch beim Knorpelschaden am Knie und an der Wirbelsäule von der gesetzlichen Krankenkasse übernommmen, wenn die Beschwerden bereits mehr als sechs Monate bestehen.
  • Magnetfeldtherapie/Reizstrom
    Sehr kontrovers diskutiert sind hingegen sogenannte Magnetfeldtherapien sowie Reizstrombehandlungen, deren Wirksamkeit bei Knorpelschäden bislang unbestätigt bleibt.
  • Präparate zum Knorpelaufbau
    Auch in seiner Wirksamkeit bislang nicht bestätigt ist die Einnahme von Präparaten, die zu den Bestandteilen von Knorpel dazugehören. Zu nennen wäre hier die Hyaluronsäure, die direkt in das betroffene Gelenk gespritzt werden kann oder Glukosamine und Chondroitin.
    Diese Substanzen können in Tablettenform eingenommen werden. Die Idee dahinter ist, dass die für den Knorpelaufbau notwendigen Substanzen auf diesem Weg dem Körper zugeführt werden.
    Am effektivsten ist allerdings die Hyaluronsäure direkt in das betroffene Gelenk (Knie, Hüfte, Sprunggelenk) zu spritzen. Die Prognose ist gerade in den frühen Stadien (Knorpelschaden Grad 1 und 2) günstig. Etwa 90 % aller Patienten weisen eine deutliche Beschwerdeminderung / Beschwerdefreiheit auf.
    Eine Heilung des Knorpelschadens kann mit diesen Verfahren aber nicht erreicht werden. Weit fortgeschrittene Knorpelschäden im Sinne von hochgradigen Arthrosen haben aber eher eine schlechte Prognose. Der Einsatz von Hyaluronsäure stellt aber eine schonende Alternative zu einem operativen Eingriff in der Behandlung von Knorpelschäden dar. 
    Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Hyaluronsäure Knie
  • Einlagen/ Schuhwerk
    So sollte bei Knorpelschädigungen z.B. des Kniegelenkes auf die Entlastung der Kniegelenke geachtet werden. Dies kann mit entsprechenden Einlagen erfolgen. Ggf. ist es notwendig spezielles Schuhwerk anzufertigen, das der Patient tragen muss.
  • Hilfsmittel zur Gelenkentlastung
    Bei Knorpelschädigungen anderer Gelenke kann es notwendig werden, den Körper des Patienten durch entsprechende Gehstöcke oder Unterarmgehstützen zu entlasten. 

Operative Therapie

Weit vorangeschrittene Knorpelschädigungen, Schädigungen bei jüngeren Patienten und bei Patienten, die auf eine hohe Funktionalität des Knorpels angewiesen sind, wird in den meisten Fällen ein operativer Behandlungsweg gewählt.

  • Knorpelspülung (Lavage)
    Häufigster durchgeführter Eingriff mit anschließender Glättung (Debridement). Hierbei werden im Rahmen eines operativen Eingriffs, der so genannten Arthroskopie, mit entsprechender Narkose durch kleine Hautschnitte über dem entsprechenden Gelenk eine Kamera, sowie spezielle Instrumente in das Gelenk eingebracht. Mittels einer Spülabsaugvorrichtung kann sterile Flüssigkeit in das Gelenk hineingegeben werden und wieder abgesaugt werden. Durch diesen Vorgang werden frei im Gelenk liegende Knorpelanteile, die häufig zu einem entzündlichen Reiz des Gelenkes führen, aus dem Gelenk herausgespült. Die Knorpelglättung erfolgt dann in gleicher Sitzung. Vorteil von diesem Verfahren ist die Verringerung der Gefahr einer Entzündung des Knorpels (Synovialitis).
  • Knorpelabtragung:
    Neben der Knorpelglättung besteht noch die Möglichkeit einer kompletten Abtragung des beschädigten Knorpel. Diese Verfahren wird Abrasio genannt. Dabei werden in einem ähnlichen Verfahren, wie bei der Knorpelglättung, die oberen beschädigten Schichten des Knorpels abgetragen. Der Körper beginnt danach körpereigenen Ersatzknorpel zu bilden und aufzulagern.
  • Mikrofrakturierung
    Ein weiteres Verfahren der Behandlung ist die sogenannte Mikrofrakturierung. Dabei werden in einem arthroskopischen Eingriff Blutgefäße der oberen Knochenschicht eröffnet. Es kommt daraufhin zur Einschwemmung von Blutzellen, die die Knorpelregeneration vorantreiben und den Heilungsprozess fördern.
  • Knorpeltransplantation
    Bei jüngeren Patienten mit lokal umschriebenen Knorpelschaden besteht die Möglichkeit ein so genanntes OATS Verfahren (Osteochondral Autogtaft Transfer System) durchzuführen. Dabei werden dem Patienten aus nicht belasteten Gelenkabschnitten mit speziellen Instrumenten Knorpel-Knochen Zylinder entnommen, die in den entsprechend vorbereiteten Knorpelschaden eingebracht werden.
  • Ebenfalls ein neueres Behandlungsverfahren bei Knorpelschädigungen ist die ACT (Autologe Chondrocyten Transplantation). Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Knorpeltransplantation.  Es werden aus dem betroffenen Gelenk unbeschädigte Knorpelstücke entnommen und außerhalb des Körpers angezüchtet und vermehrt. Ist genügend Knorpelmaterial daraus entstanden, wird dieser in einer zweiten Operation an die defekte Stelle des Gelenkes eingebracht. Bei diesem Verfahren muss abgewartet werden, ob der Knorpel erfolgreich anwächst. Ist dies der Fall stehen die Chancen gut, dass der Patient im Laufe der Zeit beschwerdefrei wird. 
  • TEP (Totalendoprothese)
    Im Fall von schweren Knorpelschädigungen versagen die beschriebenen Behandlungsmethoden. Dann bleibt oft nur der Einsatz eines künstlichen Gelenkes.
    Besonders häufig werden Knieprothesen oder Prothesen des Hüftgelenks eingesetzt. Dies macht vor allem dann Sinn, wenn der Knorpelschaden bereits so vorangeschritten ist, dass Knochen auf Knochen reibt und zu schweren Schäden im Sinne einer Arthrose führt.

Prognose

Die Prognosen hängen im Wesentlichen von zwei wichtigen Faktoren ab: dem Ausmaß des Schadens und dem angewandten Behandlungsverfahren.

Prognose bei konservativer Therapie
Je stärker ein Knorpelschaden bereits vorangeschritten ist und je größer der Anteil des zerstörten Gelenkes, desto schlechter ist die Prognose im Allgemeinen, wenn ein konservatives Therapieverfahren angewandt wird.
Die Behandlung mit Schmerzmedikamenten sowie Physiotherapie kann einen Knorpelschaden nicht rückgängig machen, allenfalls sein Voranschreiten aufhalten.

Je nachdem, ob ein Patient unter der Therapie seine normalen Bewegungen weiter durchführt, schreitet der Knorpelschaden schneller oder weniger schnell voran. Bei konservativ behandelten Knorpelschäden kommt es auch früher oder später zu den typischen Folgeerkrankungen, die vor allem aus arthrotisch veränderten Gelenken bestehen.
Bei schweren Verläufen von Arthrosen muss die Überlegung gestellt werden, ob eine Totalendoprothese eingesetzt werden muss. Die Prognose bei Knorpelschäden mit konservativer Behandlung ist individuell sehr unterschiedlich.

Prognose bei operativer Therapie
Bei operativen Behandlungen kommt es ebenfalls darauf an, welche Art von Eingriff gewählt wird. Spülungen und Glättungen von Knorpel mittels Arthroskopie haben eine relative gute Prognose.
Bei ca. 80% der Patienten muss danach kein Revisionseingriff mehr durchgeführt werden- die Patienten sind beschwerdefrei. Bei ca. 10-20% ist eine erneute Glättung des Knorpels notwendig.

Die Knorpelersatzverfahren, wie z.B. die Knorpelanzüchtung außerhalb des Körpers oder die Eröffnung von Blutgefäßen befinden sich noch in relativ jungen Erprobungsstadien. Langzeitwerte über mehrere Jahrzehnte, wie bei dem Glättungs-Spülungs Verfahren liegen also noch nicht vor.
Die Resultat  sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Aber nicht jeder Knorpelschaden kann mit solch einem operativen Eingriff erfolgreich behandelt werden. Etwa die Hälfte der Patienten sind nach dem Eingriff beschwerdefrei. Ca. 20% der Patienten ist beschwerdegemindert, beim Rest muss ein Revisionseingriff durchgeführt werden.

Sind bereits Spülung und Glättung sowie Knorpelersatzverfahren gescheitert und haben die Patienten nach dem Eingriff weiterhin Schmerzen, muss darüber nachgedacht werden, eine Totalendoprothese einzusetzen. Meistens sind Knie oder Hüftgelenke, in einigen Fällen aber auch Schultergelenke betroffen.
Bei dem Einsatz einer Totalendoprothese, wird kein Knorpel mehr benötigt, da das Kunstgelenk auf einer Kunststoffunterlage abrollt. Der Einsatz einer Totalendoprothese stellt also die letzte Möglichkeit dar, einen symptomatisch gewordenen Knorpelschaden zu behandeln.

Epidemiologie (Vorkommen in der Bevölkerung)

Von Schädigungen des Knorpels sind Menschen unterschiedlichen Alters betroffen. Während akute Knorpelschädigungen vor allem Patienten jüngeren Alters zwischen 20 und 50 Jahre betreffen, die durch ein Sport- oder Unfallereignis eine akute Schädigung des Knorpels erleiden, sind von chronischen, degenerativen Erkrankungen des Knorpels vor allem ältere Menschen betroffen, die sich zwischen dem 50-80 Lebensjahr befinden.

Der Grund liegt darin, da degenerative Veränderungen bei langen über Jahre hinweg durchgeführten Fehlbelastungen der Gelenke zustande kommt. Sowohl bei den akuten Knorpelverletzungen, wie bei den chronischen Veränderungen sind sowohl Männer als auch Frauen betroffen, Frauen jedoch etwas häufiger.

Risikofaktoren für ein Knorpelschaden

  • Übergewicht
    Zu den Risikofaktoren einen Knorpelschaden in einem oder mehrerer Gelenke zu erhalten ist vor allem das Übergewicht. Je mehr Gewicht die Gelenke des Körpers tragen müssen, desto stärker werden die Gelenke belastet und die Knorpelplatten der Gelenke abgenutzt und degeneriert.
  • Gelenkbelastende Sportarten
    Des Weiteren gibt es zahlreiche Sportarten, die vor allem das Auftreten von akuten Knorpeldegenerationen begünstigen. Zu diesen Sportarten gehören Tennis, Basketball, Fussball und alle weiteren Sportarten, bei denen Drehbewegungen im Kniegelenk oder schnelle Antritt- und Abstoppbewegungen durchgeführt werden müssen.
  • Inaktivität
    Patienten, die sich nicht oder nur ungenügend oft bewegen haben des Weiteren ein wesentlich höheres Risiko an einer Knorpeldegeneration zu erkranken.
  • begünstigende Erkrankungen
    Außerdem gibt es noch einige Erkrankungen, die die Degeneration von Knorpel in den Körpergelenken begünstigen. Zu diesen Erkrankungen zählen Diabetes mellitus, Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), Gelenkfehlstellungen sowie bestimmte Dysplasien von Gelenken.
  • genetische Faktoren
    Besonders familiäre Belastungen können das Auftreten von Knorpelerkrankungen begünstigen. Wenn es in der Familie bereits zu häufigen Arthrosen gekommen ist, steigt das Risiko, dass es auch bei den übrigen Familienmitgliedern zu einer Schädigungen des Knorpels kommen kann.
    Raucher haben aus  bis jetzt ungeklärter Ursache ebenfalls ein erheblich größeres Risiko an einer Knorpeldegeneration zu erkranken als Nichtraucher.
    Eine Gicht in der Krankheitsgeschichte kann ebenfalls dazu beitragen, dass Knorpelschädigungen schneller voranschreiten und auftreten.

Vorbeugung

Um einem Knorpelschaden vorzubeugen müssen drei Säulen beachtet werden.

  1. Zunächst kann versucht werden einen Knorpelschaden gänzlich zu vermeiden.
  2. Ist es bereits zu einem Knorpelschaden gekommen, kann versucht werden das Fortschreiten des Schadens zu minimieren.
  3. Es sollte versucht, werden die durch den Knorpelschaden drohenden Folgeerkrankungen zu vermeiden

Primärprävention: Maßnahmen, um einen Knorpelschaden zu verhindern nennt man auch Primärprävention. Dazu gehören:

  • Gewichtsreduktion
  • Beseitigung von Fehlstellungen
  • Vermeidung von Fehlbelastungen
  • Vermeidung von gelenkbelastenden Sportarten und Bewegungen
  • Rauchen aufgegeben
  • Reduktion des Alkoholgenusses 

Progressions-Prävention: Ist ein Knorpelschaden bereits eingetreten, sollten alle Bemühungen darauf gesetzt werden, ein weiteres Fortschreiten des Schadens zu verhindern (Progressions-Prävention) wie z.B. 

  • Durchführung von physio- und ergotherapeutischen Übungen
  • orthopädische Hilfsmittel, wie z.B. Einlagen getragen werden.
  • Gewichtsreduktion
  • regelmäßig Sport und Bewegung (nicht knorpelschädigend!)
  • Vermeidung von Entzündungen (entzündungshemmende Medikamente)
  • Knorpelschützende Medikamente wie z.B. die Hyaluronsäure

Sekundärprävention: Bei Vorhandensein eines Knorpelschadens sollte als letzte Präventionsmaßnahme versucht werden, die durch Knorpelschäden entstehenden Folgekrankheiten vermieden werden (Gelenkarthrosen der Gelenke sowie Fehlstellungen).

  • Physio-und Ergotherapie kann trotz vorhandenem Knorpelschaden ein Fortschreiten zum Einen verzögern und zum Anderen das Eintreten von Folgeerkrankungen verhindern
  • entzündungshemmende Medikamente
  • kühlende und wärmende Maßnahmen zur Schmelztherapie 

Auf die drei genannten Säulen, Primärprävention, Progressions-Prävention und Sekundärprävention basieren die Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien bei Knorpelschäden.

Zusammenfassung

Von Knorpelschädigungen sind vor allem Gelenke, die besonders stark beansprucht werden, betroffen. In den meisten Fällen ist das Kniegelenk oder das Hüftgelenk betroffen.

Ursachen
Man unterscheidet akute Knorpelschädigungen, die vor allem durch Sport- und Unfallverletzungen entstehen, von chronischen Knorpelschädigungen,deren Ursachen meistens durch chronische Fehlbelastungen zustande kommen.

Symptome
von Knorpelschädigungen sind drückende oder ziehende Schmerzen, die sich in und um das Gelenk ansiedeln oder aber auch in die umliegenden Gewebepartien ziehen können.

Diagnostik durch
Krankenbefragung (seit wann die Schmerzen vorhanden sind, wo und bei welchen Bewegungen)

bildgebende Verfahren

  1. konventionelle Röntgen angewandt werden, bei dem zwar kein Knorpel gesehen werden kann, wohl aber die durch ein Knorpelschaden resultierende Gelenkspaltverschmälerung.
  2. MRT Untersuchung (Knorpel sichtbar machen und beurteilen) 

Therapie
Ist eine komplette oder inkomplette Knorpelverletzung gesehen worden, kann eine Therapie entweder konservativ oder operativ erfolgen.

  • konservative Behandlung wird immer dann durchgeführt, wenn die Schädigung noch nicht so weit vorangeschritten ist oder wenn die Begleiterkrankungen keinen operativen Eingriff zulassen.
    Die konservative Therapie besteht aus einer medikamentösen Schmerzhterapie zum Einen und zum Anderen aus Physio- und Erotherapie, durch die die Gelenke entlastet werden und die umliegenden Muskelgruppen auftrainiert werden sollen. Daneben sind Chondroprotektiva (knorpelschützende Medikamente), wie die Hyaluronsäure, ein wichtiger Teil der konservativen Therapie bei einem Knorpelschaden.
  • operative Behandlung gestellt (meistens bei jüngeren Patienten oder bei schweren Knorpelschäden) kann ein arthroskopischer Eingriff durchgeführt werden, bei dem zunächst eine Spülung des Gelenkspaltes durchgeführt wird und Knorpelansätze, die beschädigt sind, geglättet und abgetragen werden.
    Außerdem kann Knorpel aus dem erkrankten Gelenk entfernt und außerhalb des Körpers vermehrend angezüchtet werden. Danach wird der vermehrte Knorpel wieder in den Gelenkspalt eingesetzt. Auch kann während der Arthroskopie ein oder mehrere Blutgefäße des Gelenks geöffnet werden. Das ausströmende Blut hilft bei den Regenerationsvorgängen und bei dem Knorpelwiederaufbau.

Prophylaxe: Um einen Knorpelschaden zu vermeiden, sollte Übergewicht abgebaut, Rauchen vermieden und Alkoholkonsum reduziert werden. Des Weiteren sollten regelmäßige physio- und ergotherapeutische Maßnahmen durchgeführt werden um Fehlhaltungen zu reduzieren.

Dr. Nicolas Gumpert über Therapie des Knorpelschadens im HR1

Dr. Nicolas Gumpert sprach über die therapeutischen Möglichkeiten bei einem Knorpelschaden live im HR 1 Studio.

Hören Sie hier die Beiträge:

Terminvereinbarung Sprechstunde

Orthopädie in Frankfurt Das Orthopaedicum Frankfurt befasst sich als Schwerpunktzentrum mit fast allen Erkrankungen der Orthopädie.

Die gegebenen Informationen helfen der Erschließung einer Diagnose, können aber eine persönliche Untersuchung und Beratung nie ersetzen.
Wir beraten Sie gerne in unseren Spezialsprechstunden!

Terminvereinbarung: Am einfachsten über unser Online-Forumlar, oder die Online-Terminvereinbarung.